Trotz Rekordhitze fanden sich am vergangenen Samstag viele Interessierte ein, um sich die Batteriestränge vor Ort anzusehen. In rund 30-minütigen Rundgängen wurde die komplexe Anlage erklärt und auf Fragen eingegangen.

Erneuerbare Energie besser integrieren

Grossbatteriespeicher von Primeo Energie in Kappel lockte trotz Hitze viele Interessierte an

Zwischen Kappel und Gunzgen flimmerte am Samstag die Luft. In den Feldern rund um das Unterwerk stieg das Thermometer auf gegen 38 Grad. Dennoch liessen sich viele Besucherinnen und Besucher den Tag der offenen Tür beim neuen Grossbatteriespeicher von Primeo Energie nicht entgehen. Sie kamen aus Kappel, Gunzgen und weiteren Gemeinden, um sich erklären zu lassen, was hinter den grossen Containern steckt.

Von 11 bis 14 Uhr öffnete Primeo Energie die Anlage. In rund halbstündigen Führungen erhielten die Gäste Einblick in den Aufbau des Speichers, seine Funktion im Stromnetz und die Ausbaupläne. Auch der Solarmobil-Workshop für Kinder fand guten Zuspruch. Während die Jüngsten kleine Fahrzeuge mit Sonnenenergie zum Laufen brachten, entstanden bei feinen Bratwürsten und kühlen Getränken gute Gespräche. Rege genutzt wurden zudem die Energieberatungen durch Fachleute.

Bis Ende Jahr fünf Batteriestränge
Die Anlage ist im Frühjahr in mehreren Schritten in Betrieb gegangen. Derzeit laufen vier Batteriestränge, ein fünfter soll Ende Jahr installiert werden. Jeder Strang besteht aus vier Containern mit Batteriezellen. Im Vollausbau erreicht der Speicher eine Leistung von 30 Megawatt und eine Kapazität von 80 Megawattstunden. Rechnerisch könnten damit rund 30 000 Haushalte knapp drei Stunden lang mit Strom versorgt werden.

Für stabile Netzfrequenz
Im Alltag geht es nicht darum, Haushalte direkt zu beliefern. Der Speicher stellt derzeit vor allem Regelenergie für die nationale Netzgesellschaft Swissgrid bereit. Sie wird benötigt, wenn kurzfristig Strom ins Netz eingespeist oder aufgenommen werden muss. So bleibt die Netzfrequenz stabil bei 50 Hertz. Mit mehr Solar- und Windstrom wird diese Aufgabe anspruchsvoller, weil deren Produktion wetterabhängig schwankt. Batteriespeicher können solche Schwankungen rasch ausgleichen. Gesteuert wird die Anlage über den Flexpool «equalio» von Primeo Energie, der Signale von Swissgrid an den Speicher weiterleitet.

Ein Mitarbeiter erklärt die Schaltanlage des Grossbatteriespeichers.
Ein Mitarbeiter erklärt die Schaltanlage des Grossbatteriespeichers.

Beim Bau achtete Primeo Energie auf nachhaltigere Technik. In den Transformatoren wird biologisch abbaubares Bioöl auf Pflanzenölbasis verwendet. In der Schaltanlage verzichtet das Unternehmen auf das klimaschädliche Isoliergas Schwefelhexafluorid, kurz SF6. Die geplante Nutzungsdauer beträgt 15 bis 20 Jahre. Danach sollen die Bestandteile recycelt werden.

Weitere Speicher sind in Planung
Für die Region ist der Speicher mehr als eine technische Anlage im Feld. Er zeigt, welche Infrastruktur nötig wird, damit erneuerbare Energien besser ins Netz integriert werden können. Primeo Energie plant bereits weitere Batteriespeicher. Der nächste Grossspeicher soll im kommenden Jahr beim bestehenden Unterwerk Rankwage im Kanton Solothurn ans Netz gehen.

Am Besuchstag in Kappel wurde diese Energiewende sichtbar und greifbar. Trotz Rekordhitze blieben viele Gäste länger als nur für eine kurze Führung. Sie stellten Fragen, liessen sich beraten und nutzten die Gelegenheit, eine Anlage kennenzulernen, die für die Stabilität des Stromnetzes eine wichtige Rolle spielt.

Text & Bild: André Albrecht