Laut Gemeindepräsident Jonas Motschi ist es wohl einzigartig im Kanton Solothurn, dass ein Sömmerungsbetrieb in der Verantwortung einer Einwohnergemeinde liegt. Genau dies aber trifft auf Oberbuchsiten zu: Seit Jahrzehnten bietet man dort bis zu 200 Kühen, Rindern und Kälbern einen artgerechten «Ferienaufenthalt» über die Sommermonate hinweg.
Reinhard Studer, Präsident der verantwortlichen Allmendkommission, begrüsste am vergangenen Sonntag eine erfreulich grosse Schar interessierter Besucherinnen und Besucher bei der oberen Viehhütte. Alle drei Jahre findet dort das sogenannte Bergtreffen statt, bei dem nicht zuletzt die Landwirte eingeladen sind, die ihr Vieh in die Obhut des Hirten Paul Ackermann geben.
Paul Ackermann, der bereits seit 28 Jahren als Hirt im Einsatz steht.
Diese 13. Ausgabe ging unter dem griffigen Motto «Älplerchilbi» über die Bühne. Dass dieses Thema auch am Jurasüdfuss authentisch umsetzbar ist, wurde schon beim Anblick des mächtigen Alpenhauptkamms jedem Besucher bewusst. Blauer Himmel, Alphornbläser, Fahnenschwinger, urchige Ländlermusik und natürlich das Kuhglockengeläute machten das Ambiente perfekt. Selbstverständlich war auch für das leibliche Wohl in ausreichendem Mass gesorgt.
28 Jahre Chef der Sömmerungsweide
«Unser wichtigstes Anliegen ist das Wohl unserer Feriengäste und die Zufriedenheit der Tierbesitzer», umschreibt Reinhard Studer jeweils den Wirkungskreis seiner Allmendkommission. Dazu gehöre zum Beispiel eine zweckdienliche Infrastruktur in einem tadellosen Zustand. Aktuell liegt natürlich ein grosses Augenmerk auf der funktionierenden Wasserversorgung der verschiedenen Weidebereiche.
Zurzeit beherberge man auf der Sömmerungsweide 174 Tiere plus Muni, die von insgesamt 15 Landwirten stammen. Deren Einzugsgebiet erstreckt sich von Mümliswil über Roggwil und Menznau (LU) bis nach Schneisingen (AG) oder gar Rotkreuz im Kanton Zug. Verantwortlich für die optimale Beweidung des zahlreichen Viehs ist der langjährige Hirt Paul Ackermann. Seit 28 Jahren wirke er schon in dieser Funktion, wie Studer nicht ohne Stolz berichtete. Trotz Pensionsalter sei Ackermann noch nicht müde und die Kommission hoffe darum auch, «dass wir mit Paul noch das 30. Dienstjubiläum feiern können».
Datingplattform für Glögglifrösche …
Dass die Oberbuchsiter Sömmerungsweide auch für den Kanton von besonderer Bedeutung ist, unterstrich die Anwesenheit von Luzia Solothurnmann. Sie ist für die Bezirke Gäu und Thal verantwortlich für das «Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft» des Amtes für Raumplanung. Damit korrespondiert zum Beispiel die beachtliche Biodiversität des Areals. Die Buchster Sömmerungsweide bietet Lebensräume für Flora und Fauna, die bei der intensiv genutzten Agrarfläche im Mittelland zunehmend fehlt.
Einen weiteren Aspekt zu diesem Thema erwähnte Gemeindepräsident Jonas Motschi. Seit kurzem gibt es nämlich in einer bestimmten Weidesenke einen kleinen Weiher. Dieser soll als «Datingplattform für Glögglifrösche» dienen, wie es Motschi launig umschrieb. Konkret handelt es sich um einen von mehreren Teichen, welche die Habitate der gefährdeten Geburtshelferkröte in den Gemeinden Hägendorf, Holderbank und Oberbuchsiten vernetzen soll.
Der Sömmerungsbetrieb
Die Sömmerungsweide der Gemeinde Oberbuchsiten liegt am Südhang der ersten Jurakette, auf 600 bis 800 Metern über Meer. Die Weide umfasst gut 73 Hektaren Grasland mit hochwertigen und artenreichen Grünflächen. Zwei Laufställe, genannt «Maiensäss» und «Hochsäss», bieten für jeweils 90 Tiere Schutz vor Witterung und starker Sonneneinstrahlung.
Auf der Weide werden in unterschiedlichen Herden Rinder und Mutterkühe mit ihren Kälbern gesömmert. Die Sömmerungspreise betragen aktuell 2.70 Franken pro Tag für Rinder bis 18 Monate, 3 Franken für Rinder ab 19 Monate sowie 3.50 Franken für Mutterkühe mit Kalb.