Mein Nachbar zieht aus. Seinem Nachmieter möchte er gerne ein paar Dinge in der Wohnung überlassen: Die auf Mass angefertigten Insektengitter und die auf Mass eingebaute Küche. Beides macht in der neuen Wohnung keinen Sinn, in der aktuellen Wohnung jedoch schon. Denn zum guten Glück haben wir hier noch Insekten. Und eine Küche ist auch ganz praktisch. (Weshalb hier in Deutschland Küchen nicht zu einem Standardausbau gehören, verstehe ich nach wie vor nicht. Doch das soll nicht das Thema sein.)
Vielmehr geht es um die Uneinigkeit zwischen meinem Nachbarn und seinem Nachmieter. Der Nachbar beharrt auf seinem veranschlagten Preis für die Einrichtungen, der Nachmieter kann sich nicht entscheiden. Ob es «echte» finanzielle Gründe sind oder einfach Kalkül auf einen niedrigeren Preis, weiss ich nicht. Ich kenne bloss die unumstössliche Haltung meines Nachbarn: «Wenn er die Sachen nicht zu meinem Preis nimmt, dann reiss ich halt alles raus und bringe es zum Sperrmüll!» Er habe keine Lust, wie auf dem Bazar zu verhandeln. Hmm, verstehe ich.
Dennoch: Könnte hier ein Gespräch auf Augenhöhe nicht mehr bringen? Und dabei wohl auch Zeit, Energie, Material sparen?
Weshalb verharren wir oft, statt aufeinander zuzugehen? Weshalb schaffen wir oft Neues an, statt Bewährtes und voll Funktionsfähiges zu erhalten? Mir graust ob diesem absurden Umgang mit Ressourcen. Zeit, Energie, Material. Parallelen zum Weltgeschehen liegen auf der Hand.
Martina Flück – überzeugt von der Sinnhaftigkeit von Diskurs und ressourcenschonenden Handlungen.
