Fünf Jahre Opferhilfe
Die Anzahl Beratungen im Kanton Solothurn stieg von knapp 700 im ersten Betriebsjahr auf mehr als 1200 im vergangenen Jahr.

Auf Kurs, aber nicht am Ziel

Fünf Jahre Opferhilfe: Kanton baut sein Beratungsangebot aus

Die Beratungsstelle Opferhilfe Kanton Solothurn feiert ihr fünfjähriges Bestehen. Sie hat sich als zentrale Anlaufstelle etabliert. Aufgrund anhaltend hoher Fallzahlen im Bereich häusliche Gewalt baut der Kanton sein Angebot aus. Unter anderem startet Ende Jahr ein neues Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche.

Der Kanton Solothurn engagiert sich konsequent für den Schutz von Menschen, die von Gewalt betroffen sind. Mit der Beratungsstelle Opferhilfe verfügt er seit fünf Jahren über eine zentrale Anlaufstelle für Opfer von Straftaten und deren Angehörige. Die Anzahl Beratungen stieg von knapp 700 im ersten Betriebsjahr auf über 1200 im letzten. Insgesamt wurden seit 2021 mehr als 4500 Menschen beraten, wie die Staatskanzlei mitteilt. Diese Nachfrage zeigt: Das Angebot ist notwendig. Betroffene können sich seit letztem Jahr auch online oder per Chat bei der Beratungsstelle melden; ein Zugang, der vor allem von jüngeren Menschen genutzt wird.

Ein Schwerpunkt der Arbeit der Beratungsstelle Opferhilfe liegt im Bereich der häuslichen Gewalt. Über die Hälfte der Beratungen betreffen die häusliche, partnerschaftliche und familiäre Gewalt. Neben den steigenden Beratungszahlen nehmen auch die Anfragen von Fachpersonen aus Schulen, Sozialdiensten, Gesundheitsinstitutionen oder Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden kontinuierlich zu. Der Kanton Solothurn investiert deshalb gezielt in Prävention, Sensibilisierung und Wissensvermittlung. Ziel ist es, Gewalt frühzeitig zu erkennen und Betroffene rasch und wirksam zu unterstützen. Dazu gehöre auch die enge Zusammenarbeit zwischen Beratungsstellen, Polizei, Justiz, Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen, wie es in der Mitteilung des Kantons weiter heisst.

Eine dauerhafte staatliche Aufgabe
In den vergangenen Jahren konnten verschiedene Projekte erfolgreich umgesetzt werden. So wurde die Fachstelle Häusliche Gewalt bei der Kantonspolizei Solothurn verstärkt, wodurch die Prävention von häuslicher Gewalt innerhalb der Polizei zusätzliches Gewicht erhält. Auch in die Weiterbildung von Fachpersonen wurde investiert. Der Kanton hat beispielsweise eine Ausbildungsoffensive für Apotheken gestartet. «Wir sind mit unserem Engagement gegen häusliche Gewalt auf Kurs, aber noch nicht am Ziel», wird Frau Landammann Susanne Schaffner zum Jubiläum der Beratungsstelle Opferhilfe zitiert. Das Departement des Innern wird dem Regierungsrat einen Schwerpunkteplan für die Jahre 2027 bis 2030 unterbreiten. Die Bekämpfung häuslicher sowie geschlechtsspezifischer Gewalt sei eine dauerhafte staatliche und gesellschaftliche Aufgabe, sagt Schaffner.

Neues Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche
Aktuell baut der Kanton ein spezialisiertes Angebot für Kinder und Jugendliche auf. Damit schliesst er eine wichtige Lücke in der Beratungs- und Unterstützungslandschaft. Das neue Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, die zuhause Gewalt miterleben. Sie werden künftig mit altersgerechten Beratungen dabei unterstützt, das Erlebte einzuordnen und zu verarbeiten. Das neue Beratungsangebot soll Ende Jahr starten. Als Projektpartnerin konnte das Frauenhaus AG/SO gewonnen werden. Es verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung und Begleitung von gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern.

Text: MGT, ANZ & Bild: Adobe-Stock/David Lahoud