Mit spitzer Feder

Sabrina Glanzmann

Ich liebe Konzerte. Letztens war ich mit meiner Cousine im Zürcher Letzi­grund-Stadion. Auch wenn ich die meisten Lieder der betreffenden Band längst nicht mehr aktiv höre, so waren sie ein wichtiger Teil meiner Jugend. Ich freute mich also auf ein paar Stunden Nostalgie, und bald schon sollten mich die ersten Takte zurück in die 90er-Jahre katapultieren. Bevor das Konzert begann, ging ich im Stadion herum und plötzlich tönte es «Hallo Binu!» (dieser Spitzname ist ebenfalls ein Überbleibsel aus den 90ern und haftet mir bis heute an). Da stand ein Bekannter aus dem Thal vor mir, zufällig liefen wir uns in dieser Menge aus 45 000 Menschen über den Weg. Keine fünf Minuten später wieder «Hey Binu!», eine weitere «Bauschtlerin» stand vor mir.

So passiert mir das ständig. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, liebe Thalerinnen und Thaler, die das hier lesen – aber ich kann gehen wohin ich will in dieser Welt, ich treffe praktisch immer jemanden aus der Heimat an. So stand ich einmal im Nordwesten Irlands auf einem Hausboot, als ein Lauperdörfer neben uns anlegte. Vor allem aber sind es meine «Heimatdörfler», die oft wie aus dem Nichts um die Ecke kommen. Mein Mann – ein Attiswiler –, sagt immer: «Die cheibe Mümliswüuer si überau!», womit er nicht ganz unrecht hat. Zu solchen «He nei, das git’s jo nid!»-Begegnungen kam es schon auf Berggipfeln im Wallis, am Flughafen in Madrid oder in einem Beizli in der Bretagne. Ob es am Gesetz der Anziehung liegt? Kann sein. Oder einfach daran, dass Mümliswiler doch weltoffener sind, als gemeinhin angenommen …?

Sabrina Glanzmann ist immer wieder überrascht, wie klein die grosse Welt oft ist. Und ist gespannt, wo es zum nächsten «Thaler-Treff» kommt.