Mit spitzer Feder

Norbert Eggenschwiler

Die Warnblinkanlage des am rechten Strassenrand wartenden, alten, violetten Renault Twingo war eingeschaltet. Ich musste warten, bis ich mit meinem Lieferwagen das Pannenauto überholen konnte, weil Gegenverkehr herrschte. Hinter mir stauten sich ebenfalls Fahrzeuge. Beim Überholen des Pannenfahrzeugs entdeckte ich darin drei Personen. Kurz nach meiner Weiterfahrt sah ich, dass sich auf der rechten Seite der Strasse Ausweichstellen befanden. Da ich an meinem Lieferwagen eine Anhängerkupplung habe und ich wusste, dass sich im Laderaum noch ein Abschleppseil befand, wendete ich bei der nächstmöglichen Gelegenheit mit der Idee, den Twingo auf die Ausweichstelle abzuschleppen, um allenfalls Hilfe zu leisten. Beim Vorbeifahren auf der Gegenspur wurde mir klar, dass es sich bei den Fahrzeuginsassen wohl um drei afrikanische Frauen handelte. Ich wendete meinen Bus abermals, überholte den Twingo wieder und fuhr rückwärts nahe an den blinkenden Wagen. Darauf begab ich mich zu diesem violetten Fahrzeug. Sogleich ging die Fahrertürscheibe hinunter und eine dunkelhäutige, korpulente Frau schaute mich mit breitem Grinsen an und sagte: Hey, Jimmy! Eine solche Begrüssung hatte ich nicht erwartet. Die beiden anderen Fahrgäste schauten mich kritischer an. Die fröhliche Dame hatte ein Mobiltelefon in der Hand. Ich fragte sie, welcher Art ihr Problem sei und wie ich ihnen helfen könne.

Lachend erklärte sie mir: Jimmy, ich nur telefonieren! Aber jetz fertig … Sie fuhren dann hinter mir in dieselbe Richtung weg.

Norbert Eggenschwiler findet, dass andere Kulturen manchmal ein gewisses Verständnis benötigen, ohne die Handlung zu legitimieren.