Haben Sie heute schon Ihre Pasta selbst gewalzt? Oder sind Sie wenigstens in ein grob gestricktes Wolltuch gehüllt und starren versonnen auf einen Topf voller einkochender Tomaten? Falls nicht: Herzlich willkommen im digitalen Abseits. Gerade fegt nämlich der neuste Optimierungstrend durch die sozialen Netze: Nonnamaxxing.
Der Begriff klingt wie eine Mischung aus Extremsport und Altersheim. Das Ziel? Das Leben einer italienischen Grossmutter zu simulieren. Junge Menschen tauschen Smartphone gegen Kochlöffel ein und Gehetze und Stress gegen bewusste Entschleunigung.
Es geht um ein langes, erfülltes Leben dank der Summe vieler guter Gewohnheiten. Diese drehen sich rund um körperliche Aktivität, gesunde Ernährung und starke soziale Bindungen. Man geht viel zu Fuss, pflegt den Kräutergarten, trifft oft die Familie und kultiviert eine sanfte Melancholie über Dinge, die man früher «Hausarbeit» nannte. Plötzlich ist es chic, drei Stunden lang Gnocchi zu formen statt Pizza zu bestellen.
Aber Achtung, wahres Nonnamaxxing erfordert Hingabe. Es reicht nicht, ein Kopftuch zu tragen, man muss die entsprechende Haltung einnehmen. Ob da wohl bald lauter Zwanzigjährige auf Klappstühlen vor der Haustür sitzen und lautstark das Schuhwerk der Passanten kommentieren, während sie in der Schüssel auf ihren Knien Hefeteig kneten? Nicht die schlechteste Vorstellung. Wenn wir schon alle «maxxen», dann doch lieber mit Mehl an den Händen als mit dem Blick am Bildschirm. In diesem Sinne: Buon Appetito!
Sabrina Glanzmann vermutet: Auch in der Anzeiger-Region gibt es so einige «Grossmuttis», nach deren Vorbild die Enkel das eine oder andere «maxxen» könnten …
