Wer von Gänsbrunnen her über die Jurahöhen fährt, durch Crémines weiter nach Corcelles und dort dem Wegweiser nach Seehof folgt, spürt bald, weshalb Emanuel Hebeisen diesen Ort wieder für andere Menschen öffnen will. Die Strasse wird schmaler, die Landschaft stiller, die vertraute Hektik bleibt zurück. Der Angelweiher liegt etwas versteckt im Berner Jura, nicht weit von der Grenze zu den Kantonen Solothurn und Jura entfernt. Man fährt nicht zufällig daran vorbei. Man muss diesen Ort suchen.
Nach fast 20 Jahren soll hier wieder öffentlich gefischt werden. Für Emanuel Hebeisen ist das nicht einfach ein neues Freizeitangebot, sondern ein Projekt, das ihn schon länger beschäftigt. Der Wunsch, den Weiher wieder zugänglich zu machen, sei in den vergangenen Jahren immer stärker geworden. Nun sei der richtige Moment gekommen. Mit der Wiedereröffnung entsteht für den 44-Jährigen ein eigener Bereich innerhalb des Familienbetriebs. Hier verbindet sich die Familiengeschichte mit seiner persönlichen Leidenschaft für das Fischen.
Die beiden Brüder
Der Weiher gehört Emanuel Hebeisen und seinem Bruder Thomas. Thomas Hebeisen führt heute die Fischzucht in Seehof. Emanuel Hebeisen ist nur noch am Rand in der Zucht tätig, hilft bei Bedarf mit und verkauft weiterhin Fische auf dem Markt in La Chaux-de-Fonds. Die Wiedereröffnung des Angelweihers gibt ihm nun die Möglichkeit, wieder stärker an einem Ort präsent zu sein, der ihn seit vielen Jahren begleitet.
Die Geschichte des Weihers reicht weit zurück. Gebaut wurde er vor rund 45 Jahren von einem Onkel der Familie. Als dieser später nach Peru auswanderte, übernahm der Vater von Emanuel und Thomas Hebeisen die Anlage und kaufte sie 1993. Was einst nebenbei begonnen hatte, wurde später zum Beruf. Die beiden Brüder betrieben die Fischzucht während zehn Jahren gemeinsam und lebten ausschliesslich davon.
Änderung wegen Corona und neuen Familienverhältnissen
Dann veränderte sich die Situation. Nach Corona, mit grösser gewordenen Familien und verändertem wirtschaftlichem Druck, reichte es nicht mehr für zwei Familien. Einer der Brüder musste beruflich einen anderen Weg einschlagen. Thomas Hebeisen führte die Fischzucht weiter. Emanuel Hebeisen suchte sich eine Arbeit als Chauffeur ausserhalb des Betriebs. Ganz weg vom Fisch war er aber nie. Nach einem Jahr konnte er sein Pensum reduzieren und wieder einen Markt übernehmen. Heute arbeitet er zu 80 Prozent auswärts und fährt am Samstagmorgen nach La Chaux-de-Fonds, wo er Fische verkauft.
Wiedereröffnung nach 20 Jahren
Der Angelweiher knüpft nun an eine frühere Zeit an, ist aber zugleich ein neues persönliches Projekt. Früher war der Weiher bereits öffentlich zugänglich. Dann blieb er fast zwei Jahrzehnte geschlossen. Der Grund war weniger eine bewusste Abkehr als der Alltag eines Betriebs, der über Märkte und andere Absatzwege funktionierte. Es fehlte schlicht die Zeit. Nun will Emanuel Hebeisen diesen Ort wieder öffnen, nicht als grosse touristische Anlage, sondern als überschaubares Angebot für Menschen, die fischen, verweilen und einen selbst gefangenen Fisch mit nach Hause nehmen möchten.
Leidenschaftlicher Fischer
Dass der Weiher zu ihm passt, hat viel mit seiner eigenen Leidenschaft zu tun. Emanuel Hebeisen ist selber Angler. Zum ersten Mal fischte er als Siebenjähriger in den Ferien in Frankreich. «Da hat es mich gepackt», erinnert er sich. Seither habe ihn das Angeln nicht mehr losgelassen. Auf Reisen in verschiedenen Ländern fing er immer wieder besondere Fische. Die Faszination sei bis heute dieselbe geblieben: Man wisse nie, ob etwas anbeisse, wann es passiere, was für ein Fisch es sei und wie gross er am Ende werde.
Anfängerinnen, Anfänger und Familien sind willkommen
Diese Spannung möchte Hebeisen auch anderen ermöglichen. Der Angelweiher soll ausdrücklich nicht nur erfahrene Fischer ansprechen. Im Gegenteil: Anfängerinnen, Anfänger und Familien gehören zur wichtigsten Zielgruppe. Wer noch nie eine Angel in der Hand hatte, soll hier trotzdem willkommen sein. Es braucht keine besondere Erfahrung, keine langen Vorbereitungen und keinen Fachjargon. Man kommt an, bekommt bei Bedarf eine Rute, erhält Hilfe und kann fischen.
Fachgerechter Umgang mit Fischen
Unkompliziert soll das Angebot sein, aber nicht gedankenlos. Wer einen Fisch fängt, übernimmt Verantwortung – gefangene Forellen werden nicht zurückgesetzt. Sie werden entnommen, fachgerecht betäubt und getötet. Wenn Gäste das nicht selbst machen können oder möchten, übernimmt das Team vor Ort diese Arbeit. Auch das Ausnehmen der Fische ist auf Wunsch möglich. Damit bleibt das Angebot zugänglich, ohne dass der Umgang mit dem Tier zur Nebensache wird.
Die Fische im Weiher profitieren laut Hebeisen von einer sehr guten Wasserqualität. Auch die Besatzdichte sei tief. Das sei wichtig für das Wohl der Tiere. Der Weiher ist damit kein reiner Freizeitort, sondern bleibt Teil einer Fischzucht, die seit Jahren auf Frische, Nähe zur Kundschaft und Direktverkauf setzt.
Der Mensch kommt zum Fisch
Die Direktvermarktung prägt den Betrieb bis heute. Verkauft wird ausschliesslich auf Märkten. Thomas Hebeisen bedient die Märkte in Olten, Solothurn und Moutier. Emanuel Hebeisen steht am Samstagmorgen in La Chaux-de-Fonds am Stand. Schon früher wurden die Fische aus Seehof in den Medien als besonders frisch und eng mit der abgeschiedenen Lage der Zucht verbunden beschrieben. Die Märkte bringen die Fische zu den Menschen. Der Angelweiher dreht dieses Prinzip um: Nun kommen die Menschen zum Fisch.
Lage ist Reiz und Herausforderung
Für Besucherinnen und Besucher ist die Abgeschiedenheit ein Teil des Reizes. Für den Betrieb bleibt sie eine Herausforderung. Die Märkte und die Kundschaft liegen weit weg. Jeder Verkaufstag bedeutet Fahrzeit, Vorbereitung und Transport. Was für Ausflügler eine kleine Reise in eine ruhigere Welt ist, gehört für die Familie Hebeisen zum Arbeitsalltag. Trotzdem sieht Emanuel Hebeisen in der Lage auch eine Chance. In der Region gebe es nicht sehr viele touristische Attraktionen. Er hoffe deshalb, dass die Wiedereröffnung des Angelweihers gut aufgenommen werde.
Ein Samstag am Weiher beginnt mit Vorbereitung. Tische müssen sauber sein, der Boden gewischt, Getränke bereitgestellt, das Angelgerät kontrolliert. Dann wird geöffnet. Danach geht es um Betreuung, Hilfe am Wasser, Verarbeitung der Fische und Gespräche mit den Gästen. Wenn es gewünscht ist und die Gruppe passt, können die Fische am Abend auch gekocht oder grilliert werden. Nach dem Betrieb werden die Fische gefüttert, es wird geputzt, dann ist Feierabend.
Ein Familienort im wahrsten Sinn
Allein macht Emanuel Hebeisen das nicht. Seine Frau Rosilene hilft bei sämtlichen Aufgaben mit. Sie hält ihm, wie er formuliert, bei der vielen Arbeit den Rücken frei. Das zeigt, was der Weiher bleiben soll: kein anonymer Freizeitbetrieb, sondern ein Familienort. Einer, an dem man selber vorbereitet, erklärt, hilft, verarbeitet, aufräumt und wieder sauber macht.
Ein lohnender Nebenerwerb
Für die Zukunft denkt Emanuel Hebeisen pragmatisch. Der Angelweiher soll ein lohnender Nebenerwerb werden. Vielleicht könnten später auch andere Fischarten dazukommen, etwa Störe. Das würde den Weiher für zusätzliche Angler interessant machen. Zunächst aber geht es um den Neustart mit Forellen und darum, wie das Angebot angenommen wird.
Wer nach Seehof fährt, fährt nicht nur zu einem Weiher. Er fährt an einen Ort, an dem Familiengeschichte, Handwerk, Markttradition und persönliche Leidenschaft zusammenkommen.
Vielleicht ist es genau das, was diesen Platz ausmacht. Man steht am Wasser, hört wenig ausser Natur und Gesprächen, wartet auf den Moment, in dem sich an der Schnur etwas regt. Und dann ist sie wieder da, jene alte Spannung, die Emanuel Hebeisen seit seiner Kindheit kennt: Man weiss nie genau, wann etwas beisst. Aber genau deshalb bleibt man.
Angelweiher Seehof
Eröffnung:
Samstag, 9. Mai 2026, ab 11 Uhr.
Öffnungszeiten:
Jeweils samstags von 11 bis 20 Uhr, voraussichtlich bis Ende Oktober.
Weitere Termine auf Anfrage möglich.
Eintritt und Anmeldung:
Der Eintritt ist kostenlos.
Anmeldung für Einzelpersonen nicht zwingend, für grössere Gruppen erwünscht.
Angelausrüstung:
Rutenmiete 5 Franken.
Einfache Kinderruten sind kostenlos.
Eigenes Gerät ist erlaubt.
Nicht erlaubt: Spinnangeln mit Löffel, Wobbler oder ähnlichen Ködern.
Preise:
23 Franken pro Kilo für den ganzen Fisch.
25 Franken pro Kilo, wenn die Fische von Hebeisen ausgenommen werden.
Zurzeit ausschliesslich Forellen.
Wichtig: Alle gefangenen Fische müssen entnommen werden. Zurücksetzen ist nicht erlaubt.
Sonstige Angebote vor Ort:
Getränke im Weiherhaus.
Picknicktisch und Grillplatz ausserhalb des Zauns. Je nach Anzahl Personen können die Fische am Abend von Hebeisen gekocht oder grilliert werden.
