Kennengelernt hatten sich die beiden im Fitnesscenter, wo sie ihre Körper optimierten und grammable stählten. Likes war die Währung, in der sie ihren Wert massen. Sie verliebten sich in die Möglichkeit, gemeinsam mehr Follower zu generieren und zogen zusammen. Die Einrichtung in angesagten Sandtönen wurde von Promotionspartnern gestellt. Für die social-media-tauglich inszenierte Hochzeit hielt man die Gäste an, ausschliesslich Beigetöne zu tragen. Wer sich dem Farbdiktat nicht unterwarf, wurde an einen Randtisch verbannt, der von den Fotografen und Filmern ignoriert werden konnte, und vom Gruppenbild ausgeschlossen.
Ihre Community verzehrte sich nach Nachwuchs. Dies war die Geburtsstunde des Projekts Baby. Die angehende happy Mom postete Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel) und bewies mit Fitness- und Yogavideos, dass man gleichzeitig schwanger und in Topform sein kann. Und der happy Dad liess sich beim Home Improvment (Heimwerken) im beigen Kinderzimmer viralfähig ablichten. Für die Geburt hatte das Paar nach einem fotogenen Umfeld gesucht, das in seine Farbwelt passt. Und als das beige Baby das Licht der Welt erblickte, lautete die erste besorgte Frage der happy Parents: «Ist es grammable?»
Wenn ich die beigen Bilder der happy Family sehe, beschleicht mich leichter Neid. Nicht, weil sie so perfekt sind, sondern weil ihr Leben in Beige als hip gilt. Wenn ich in diesen Farben aus dem Haus gehe, denken die Leute bloss: Schau an, schon wieder einer dieser alten Männer in Beige.