Bubble
Die Bubble von Annabelle Schneider als Jubiläumsprojekt verbindet sich in Olten mit einer Tanzperformance von Nina Pfüller (links) und Aline Gio. (Bild: Sven Germann)

Eine Bubble als Herz des Festivals

Das Festival TanzinOlten feiert ab dem 10. November sein 30-jähriges Bestehen

Eine begehbare, atmende Skulptur aus Stoff ist das szenografische Herz des Jubiläumsfestivals von TanzinOlten und gibt ihm auch gleich den Namen: Bubbles. Ab nächstem Dienstag wollen die Macherinnen und Macher des Festivals modernen, qualitativ hochstehenden Tanz zeigen. Und auch Menschen ansprechen, die mit Tanz nicht so viel am Hut haben.

Zur Jubiläumsausgabe gibts eine Premiere: Erstmals realisiert TanzinOlten eine eigene Auftragsproduktion. Kreiert wurde diese in Zusammenarbeit mit der renommierten Experience Designerin Annabelle Schneider, deren begehbare atmende Skulpturen aus Fallschirmstoff bereits an der Barcelona Design Week, in Mailand oder während der Art Basel gezeigt wurden. «Neu daran ist, dass eine solche Bubble choreografisch mit zeitgenössischem Tanz bespielt wird und wir als Festival selbst als produzierende Institution auftreten», sagt Anna-Lena Schluchter. Die 37-jährige Oltnerin hat die Leitung des Festivals nach dem Abgang von Patricia Bianchi im Frühjahr interimistisch übernommen und bringt mit ihrer grossen Passion für den Tanz, ihrer weltoffenen Art und als langjähriges Vorstandsmitglied von TanzinOlten die besten Voraussetzungen mit, um das Jubiläumsfestival erfolgreich zu managen. Dass man für das 30-Jahr-Jubiläum etwas ganz Spezielles lancieren wollte, sei stets klar gewesen, erzählt sie. Annabelle Schneider hat sie vor einigen Jahren in New York kennengelernt, bald schon träumten die beiden Frauen davon, wie es wohl wäre, Tanz und Schneiders Bubbles miteinander verbinden zu können. «Als ich diesen Frühling die Idee in den Vorstand einbrachte, unsere Jubiläumsausgabe gemeinsam mit Annabelle und ihrer Bubble zu bestreiten, war das ganze Team begeistert», erzählt Schluchter.

Annabelle Schneider
Die Bubble ist das Werk von Annabelle Schneider. (Foto: Raphaela Pichler)

Tanz und Bubble folgen denselben Gesetzen
Womit gesagt ist: Viel Zeit, um das Projekt fliegen zu lassen, blieb nicht. Schluchter schmunzelt und schwärmt von der «passionierten Zusammenarbeit» im siebenköpfigen Vorstand und im Festivalteam. «Eine Idee brachte die nächste mit sich, es kamen immer mehr Komponenten mit rein.» Rasch war klar, dass Nina Pfüller und Aline Gio von der Zürcher Tanztheatercompany Creama als Tänzerinnen mit ins Boot geholt wurden. Die Produktion verbindet nun deren Company mit der Skulptur von Annabelle Schneider. Passend dazu wurde die Bubble im Sommer im Oltner Steinbruch aufgeblasen, Sven Germann fotografierte das Spektakel und inszenierte es filmisch, zur Musik von Simon Spiess. Dieser Film und die Bubble sollen nun bis zur Liveperformance am 14. November an diversen Orten in der Stadt gezeigt werden. Das passt, folgen Tanz und Bubble doch denselben Gesetzen: Atem, Bewegung, Präsenz – und Vergänglichkeit.

Auch ein neues Publikum soll erschlossen werden
Der Highlights sind viele am Festival, das nächsten Dienstag eröffnet wird, mit Schweizer Premieren und Uraufführungen. «Wir freuen uns auf Stammgäste und Interessierte am Zeitgenössischen Tanz», sagt die Festivalleiterin. Das Programm sei aber bewusst sehr facettenreich, schliesslich wolle man auch Menschen ansprechen, die mit Tanz nicht so viel am Hut hätten. Sie weiss sehr wohl: Moderner Tanz kann zu abstrakt sein, zu verzettelt – schlicht zu anspruchsvoll. Dem wollte das Programmteam unter der Leitung von Ursula Berger und Mireille von Arx etwa mit den beiden Eröffnungsabenden mit Cie Linga und «Land of Hope» entgegenwirken. «Das ist ein Stück, in dem die Menschen sich wiederfinden können», ist Anna-Lena Schluchter überzeugt. Auch für einen der Workshops können Interessierte sich kurzfristig anmelden.

Anna-Lena Schluchter
Sie leitet das Jubiläumsfestival von TanzinOlten: Anna-Lena Schluchter.

Generell spricht sie mit Blick auf das Programm von einer veritablen «Explosion». Und von einem bewussten Schritt zurück zu den Wurzeln des Festivals. Man wolle beibehalten, was geschätzt werde und stehe für modernen, qualitativ hochstehenden Tanz. Tanz, mit dem auch schwere Themen verarbeitet werden, mitunter mit eigener Herangehensweise. Schluchter weiss, wovon sie spricht: Sie arbeitet im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten als Beauftragte für Menschenrechte.

Newcomerevent mit Anmelderekord
Ihre persönlichen Festival-Highlights? «Das Festival als Ganzes», sagt sie und lacht. Aber sicherlich auch die «Short Cuts» am 21. November, ein Format, welches den choreografischen und tänzerischen Nachwuchs im Land fördert und seit Jahren fixer Bestandteil von TanzinOlten ist. Aus über 60 Bewerbungen – «so viele wie noch nie!» – hat die Fachjury fünf Stücke auserkoren, die an diesem Abend präsentiert werden. «Darauf freue ich mich enorm, weil so oder so eine begabte junge Person unseren Förderpreis erhält», sagt sie. Worauf die Festivalleiterin auch stolz ist: So sehr TanzinOlten über die Region hinaus ausstrahlt, so sehr ist der Verein lokal verwurzelt.

Nach dem Newcomerevent soll an der Afterparty mit DJ Tim Tanzig abgetanzt werden. Das Festival mit all seinen schönen visuellen Erlebnissen, davon ist Anna-Lena Schluchter überzeugt, wird den November farbiger machen.

Programm und Tickets: tanzinolten.ch


Ursula Berger tritt ab – und bleibt neugierig

An der nächsten GV von TanzinOlten wird Gründerin und Präsidentin Ursula Berger zurücktreten. Die beiden Vorstandsmitglieder Mireille von Arx und Anna-Lena Schluchter werden sich als Co-Präsidium zur Wahl stellen. Die neue Festivalleitung soll kommende Woche bekannt werden.

Zu Beginn habe kaum jemand geglaubt, dass ein zeitgenössisches Tanzfestival in Olten überleben oder gar ein Publikum finden würde, hat sich Ursula Berger jüngst im «Oltner Tagblatt» geäussert. Genau deshalb aber und weil sie zuvor in New York, Los Angeles und Montréal erlebt habe, wie selbstverständlich moderner Tanz als Kunstform und als Beruf verankert sein könne, habe sie es auch in Olten versuchen wollen. «Wir mussten hierzulande Neugier wecken und Zugänge schaffen. Tanz, der sich abseits des Mainstreams bewegt, braucht Offenheit und Menschen, die bereit sind, genauer hinzuschauen», weiss die Tanzpädagogin. Der Vorteil heute: Via soziale Medien seien unterschiedlichste Tanzstile jederzeit sichtbar.

Was das Jubiläum für sie bedeutet, hat Oltens «Grande Dame des Tanzes» im Programmheft des Festivals festgehalten: «30 Jahre TanzinOlten bedeuten für mich vor allem: neugierig bleiben. Auf Menschen, auf künstlerische Welten und auf das, was Tanz in uns auslösen kann. Mit Bubbles möchte ich genau diese Neugier feiern – gemeinsam mit unserem Publikum.»

Langweilig wird es Ursula Berger mitnichten, steht doch das nächste Jubiläum bereits vor der Türe: «50 Jahre Dance Studio Olten». Die Auftritte, so beispielsweise am 13./14. März nächsten Jahres in der Schützi Olten, sind organisiert durch den Mixed-up Chor Olten unter der Leitung von Gitte Deubelbeiss. Das Dance Studio zeigt Choreografien zum Thema «Viva la Vida».

Text: Wolfgang Niklaus & Bilder: ZVG