Norbert Eggenschwiler
Mit spitzer Feder

Norbert Eggenschwiler

Von Weitem gut sichtbar und in orangenen Farben bekleidet, zähmt der behelmte Mann mit ausgestreckten Armen einen von einem Kran hängenden, grossen Metallkübel, der taumelnd zu fliegen kommt. Er beruhigt und beendet seine Flugbahn, um ihn dann über der entsprechenden Strassenstelle mit dem seitlichen Griff zu öffnen. Der Asphalt fliesst zäh auf die Strasse und wird sofort von anderen, ebenfalls orange gekleideten Männern mit Holzschabern verteilt. Ein paar dieser Arbeiter tragen keine Oberkleider. Ihre braun gefärbte und sonnengegerbte Haut ist schweissgebadet und glänzt im Sonnenlicht. Die Gesichter sind ebenfalls nass und einige versuchen von Zeit zu Zeit, mit ihrer Zunge den Schweisstropfen von der Nase zu nehmen.

Es herrscht Hektik. Der heisse Teer kann nicht mit dem Lastwagen auf die Strasse gefahren werden und muss deswegen mit dem vorhandenen Kran durch die Luft transportiert werden. Es gibt ein grosses Stück Strasse neu zu asphaltieren.

Das Aussenthermometer zeigt 39 Grad Celsius. Ich bewundere diese Leute. Wir haben den wärmsten Juni, seit Messungen aufgezeichnet werden, und es stehen noch zwei Monate Sommer bevor. Der grösste Teil von Europa kocht regelrecht. Diese Männer geben alles, damit die Strasse wieder befahrbar wird und ertragen die Hitze von oben und von unten. Es sind offensichtlich Leute aus dem Süden. Spanien, Portugal, Italien und dem Balkan.

Ich bin dankbar, dass die 10-Millionen-Initiative abgelehnt worden ist. Für heute und in Zukunft.