Die Artikel werden versandbereit verpackt.

Idee trifft den Zeitgeist und boomt

Projekt Restwert wird zehn Jahre alt, expandiert in die Westschweiz und feiert 28 Standorte

Beim Projekt Restwert verkaufen Menschen in schwierigen Lebenslagen gebrauchte Artikel auf Ricardo. Vor zehn Jahren in einem alten Bürogebäude in Trimbach gegründet, verzeichnet das integrative Netzwerk heute 28 Standorte, neu auch in der Westschweiz.

Genau zehn Jahre ist es her, als Projekt Restwert den ersten Artikel auf Ricardo verkaufte: eine Spongebob-Plüschfigur, für drei Franken. Inzwischen gehen jährlich zehntausende Produkte über den virtuellen Ladentisch.

Projekt Restwert funktioniert einfach: Privatpersonen bringen nicht mehr benötigte Gegenstände an einen der inzwischen 28 Standorte. Die Mitarbeitenden, die alle in herausfordernden Lebenslagen und verschiedenen Trainingsprogrammen sind, übernehmen die Verarbeitung. Sie reinigen, fotografieren und inserieren die Artikel. Dann machen sie die Zahlungsabwicklung, verpacken und versenden sie. Die Hälfte des Erlöses fliesst zurück an die Verkäuferinnen und Verkäufer. Kreislaufwirtschaft und Arbeitsintegration gehen so Hand in Hand.

Grundlagenwerk
Ein Artikel wird fotografiert, um ihn danach inserieren zu können.

«Wir lösen gleich mehrere Probleme auf einmal», sagt Co-Gründer Beni Brennwald. «Menschen besitzen heutzutage oft zu viele Dinge. Sie möchten nachhaltig handeln, haben aber oft weder Zeit noch Lust, sich um den Verkauf zu kümmern. Gleichzeitig brauchen Menschen in herausfordernden Lebenslagen eine sinnvolle, qualifizierende Tätigkeit mit echten Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.»

Die inklusive Vision ist von Anfang an im Projekt Restwert verankert: Die verstorbene Co-Gründerin und spätere Betriebsleiterin Christine Weder war selbst eine Zeit lang in einem Aufbauprogramm. «Heute ist die Wichtigkeit von gelebter Inklusion im öffentlichen Dialog angekommen», sagt Beni Brennwald. Projekt Restwert sei ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn die Programmteilnehmenden massgeblich mitgestalteten.

Expansion auch in die Westschweiz
Die Nachfrage gibt Brennwald recht: Was 2016 in einem alten Bürogebäude in Trimbach begann, ist heute ein schweizweites Netzwerk. Projekt Restwert zählt 28 Standorte, ist inzwischen auch in die Westschweiz expandiert, bietet 419 Arbeitsplätze und davon 36 Ausbildungsplätze (EFZ/EBA). Im vergangenen Jahr wurden über 33’000 Artikel verkauft und 269’000 Franken konnten an die Verkäuferinnen und Verkäufer ausbezahlt werden. Ein Standort unterstützt pro Jahr im Schnitt 57 Verkäuferinnen und Verkäufer dabei, nachhaltig zu handeln.

Der erste Partnerbetrieb eröffnete 2019 in Pratteln, nach dem Social-Franchising-Modell. Social-Franchising will, im Gegensatz zum regulären Franchising, den Nutzen maximieren, nicht den Profit. «Gute Ideen reifen am besten, wenn sie geteilt werden», lautet auch das Credo der Koordinationsstelle Grundlagenwerk AG in Wangen bei Olten, die möglichst viele Aufgaben und Prozesse zentralisiert. Partnerorganisationen erhalten Unterstützung im Aufbau und im Betrieb, Schulungen, Zugang zur eigens entwickelten Applikation, zu Prozessbeschrieben und Marketingmaterial. «Wir sind ein lebendiges Netzwerk und pflegen einen gegenseitigen Austausch, um voneinander zu lernen», sagt Brennwald.

Digitec Galaxus und Brack.ch geben Retouren weiter
Zum Erfolg von Projekt Restwert tragen auch Partnerschaften mit Unternehmen bei. So bringen Digitec Galaxus und Brack.ch einen Teil ihrer Retouren über Restwert wieder in den Kreislauf, statt sie zu entsorgen. «Es ist eine geniale Win-Win-Win-Lösung», sagt Lauritz Fricke, Head of After Sales & Retail bei Digitec Galaxus. «Produkte erhalten ein zweites Leben, Menschen finden sinnstiftende Arbeit und einkommensschwächere Konsumentinnen und Konsumenten können sich schöne Dinge leisten.» Am Digitec-Galaxus-Lager in Dintikon existiert sogar ein eigener Restwert-Standort, betrieben von der Sozialfirma Passus AG.

Auch Michael Maier, Lead Technik & Support bei Brack.Alltron, beschreibt die Zusammenarbeit mit Projekt Restwert als herzlich und unkompliziert. «Wir schätzen am Projekt Restwert, dass Menschen wieder in den Berufsalltag eingegliedert und individuell begleitet werden. Der ganzheitliche Ansatz überzeugt uns: Die Menschen werden so angenommen, wie sie sind, und erhalten Raum, kreativ zu arbeiten und sich handwerklich zu entfalten.»

Projekt Restwert wächst weiter. Und will Mitarbeitende fit für den Arbeitsmarkt von morgen machen. Im Austausch mit dem Kaufmännischen Berufsverband entwickelt das Projekt neue Ausbildungsinhalte, um Kompetenzen im Hinblick auf Künstliche Intelligenz zu vermitteln. «Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen», sagt Selin Stoll, Co-Geschäftsleiterin bei der Grundlagenwerk AG, «und zeigen, wie Integration, Ausbildung und Innovation in der Sozialbranche zusammenspielen können. Grundlegende Veränderungen, wie wir sie aktuell erleben, bringen immer auch neue Chancen für Menschen, die bisher benachteiligt wurden.»

www.projekt-restwert.ch

Text: MGT, ANZ & Bild: ZVG